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    Digitale Reife – ein Gradmesser für die Zukunft?

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    Kennen Sie den Begriff der Digitalen Reife? Sie ist das Ziel des Digitalen Wandels, den wir heute privat wie in Unternehmen erleben. Und sie ist der Schlüssel für zukünftigen Erfolg.

    Digitale Reife beschreibt den Zustand der ganz natürlichen Nutzung von fortschrittlichen IT-Tools, um die Leistung zu steigern, sowie ein fortwährendes Engagement für technologiebasierte Initiativen und digital verwaltete Prozesse.

    Digitale Reife hat viele Facetten. Ein Unternehmen kann hinsichtlich seines Geschäftsmodells digital reiflich durchdacht sein, aber an seinen Prozessen scheitern, weil diese nicht genügend digitalisiert sind. Oder sich auf hervorragende digitalisierte Prozesse stützen, aber sein Geschäftsmodell nicht auf die Digitalisierung des Marktumfelds eingestimmt haben. In beiden Fällen ist digitale Reife zwar teilweise erreicht, aber nicht in alle Aspekte des Unternehmens durchgedrungen. Und: In beiden Fällen sollte sich das Unternehmen auf harte Zeiten einstellen.

    Auf dem 3. Zukunftskongress der Familienunternehmer war ich Teilnehmer eines Podiums zum Thema „Digitale Reife – Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit“. Die Diskussion war so anregend, dass ich beschlossen habe, die entstandenen Gedanken in drei zentrale Thesen zu gießen.

    These 1: Digitale Reife ist insgesamt noch kaum ein Thema – erst, wenn die sprachliche Basis gesamtgesellschaftlich gesetzt ist, können wir den digitalen Wandel wirklich meistern.

    Diese These geht direkt an die Grundfesten des aufgeworfenen Themas. Digitale Reife – nicht relevant? Doch – eher noch nicht. Es ist eine Frage des Zeithorizonts.

    Denn warum über Digitale Reife reden, wenn wir in Deutschland weitestgehend noch mit der Ausgestaltung des digitalen Wandels, ja eigentlich sogar um Grundlagen wie Breitband-Infrastruktur kämpfen? Seien wir ehrlich, in unserer Branche leben wir in einer Wahrnehmungsblase, in der wir den digitalen Wandel für uns gefühlt hinter uns haben.

    Fakt ist: Bei einem nicht unwesentlichen Teil der deutschen und europäischen Unternehmen ist der digitale Wandel noch nicht oder nur ungenügend angekommen. Begrifflichkeiten wie Disruption mögen für den geneigten Leser Standard-Vokabular sein, doch sieht man sich die Welt vieler unserer Kunden genauer an, so stellt man fundamentale Unterschiede, Erstaunen oder bisweilen eine gewisse Skepsis fest. Nicht nur in der Herangehensweise bei der Digitalisierung von Prozessen und Produkten; es beginnt vielmehr bereits bei der Semantik. Man riskiert, sich falsch zu verstehen, sobald man über die zentralen Themen des Digitalen Wandels spricht – der deutsche Durchschnitts-Unternehmer mag zwar schon vom Digitalen Wandel gehört und ihn sicherlich hier und dort schon am eigenen Leibe erfahren haben. Doch bleiben viele Aspekte für ihn schwammig, unscharf und daher auch im Kern unverständlich.

    Deswegen ein erster Appell: Bevor wir uns mit der Digitalen Reife eingehender beschäftigen, sollten wir noch einmal einen Schritt zurück treten und gesellschaftsweit über das Vokabular des Digitalen Wandels und seine Bedeutung reden. Ausdrücklich nicht nur innerhalb der Branche, sondern gesamtgesellschaftlich. Erst, wenn diese Basis steht, können wir den Digitalen Wandel tatsächlich meistern.

    Ein weiterer Beleg für diese These ist der Branche sogar inhärent. Ganz einfach: Wäre die Digitale Reife tatsächlich in der Köpfen der deutschen Wirtschaftsführer fest verankert, so würde etwa das EWERK als digitaler Lösungsanbieter nicht stark wachsen. Und doch – das tun wir mehr denn je. Mehr noch, selbst die IT-Branche, eigentlich Treiber des Themas, ist noch auf dem Weg. Denn sonst hätte das Podium auf dem Zukunftskongress nie zur Digitalen Reife stattgefunden, und wäre nicht eine solche Resonanz im Publikum gestoßen. Der Bedarf zur Diskussion des Digitalen Wandels und seine Komponente ist größer denn je.

    These 2: Digitale Reife ist nur ein Baustein von vielen für die Zukunftsfähigkeit.

    Um diese These eingehender diskutieren zu können, schauen wir uns zuallererst den Begriff der Zukunftsfähigkeit genauer an. Zukunftsfähigkeit ist eine Einstellung, ein Mindset des gesamten Unternehmens, dass und wie man sich verändern muss, um mit dem Marktumfeld Schritt zu halten. Diese Einstellung ist sehr schwer durchgehend und allumfassend zu erreichen: Es liegt in der Natur des Menschen, sich auf funktionierende Muster zu berufen und sich Gewohnheiten hinzugeben. Zukunftsfähigkeit ist kein Zustand, sondern begründet sich in der steten Bewegung.

    Digitalisierung und Digitale Reife greifen diesen Grundgedanken der mentalen Agilität auf, können hier aber nur ein Baustein unter mehreren sein. So sind auch beispielsweise das Geschäftsmodell oder auch Werte eines Unternehmens wichtige Zutaten im funktionierenden Zukunftsfähigkeits-Mix.

    Digitalisierung kann auf multiple Ebenen eines Unternehmens einwirken – und natürlich mit den anderen Bausteinen interagieren. Das Beispiel im kommenden Abschnitt zeigt etwa, wie IT auf die Werte eines Unternehmens einwirken kann. Entscheidend ist, dass die IT nicht isoliert betrachtet werden kann und darf – sie wird idealerweise zum Geschäftstreiber und Taktgeber.

    Diese Zusammenhänge zu erkennen und Effekte antizipieren zu können, das ist eine entscheidende Fähigkeit bei der Digitalisierung von Prozessen. Deswegen dürfen wir nie nur das Projekt und unsere spezifische Aufgabenstellung beim Kunden betrachten, sondern stets auch den Kontext, in dem wir arbeiten – auch wenn das vielleicht im ersten Moment nicht Teil der Aufgabenstellung ist. Mit dieser ganzheitlichen Herangehensweise haben wir beim EWERK in den vergangenen zwei Jahrzehnten sehr gute Erfahrungen gemacht.

    These 3: IT in seiner Transversalität ist der perfekte Angriffspunkt für ganzheitliche Veränderungen.

    IT ist heutzutage allgegenwärtig. Hierin liegt eine Chance, nämlich diese Allgegenwärtigkeit zu nutzen, um Wandel anzustoßen, zu begleiten und zu lenken – ähnlich einer lenkenden Politik-Maßnahme.

    Beispielsweise können clever angelegte digitale Prozesse nicht nur die Arbeit vereinfachen, sondern auch die Motivation der Mitarbeiter erhöhen – Stichwort Gamification: Indem man die neue Verfahrensweise mit kleinen Belohnungen versieht, weckt man den Spieltrieb im Menschen. Ein spannender Aspekt, der bisher nur eine kleine Rolle spielt und hier auch nicht weiter diskutiert werden soll.

    Auch eine Unternehmenskultur kann durch digitalen Umbau verändert werden. Denn bei der Digitalisierung von Prozessen muss man auch Inhalte und Nutzer dieser Prozesse im Blick behalten, also die Werte, die Visionen, die Menschen. Und die verändern sich unter den Kräften des digitalen Wandels.

    Ein simples Beispiel – Chat: Es kann durch seine Einführung nicht nur die Möglichkeit zur Kommunikation erweitern; es wird zwangsläufig auch den Tonfall zwischen den Mitarbeitern verändern. Oder haben Sie schon einmal einen Chat mit einer förmlichen Anrede begonnen? Sicherlich nicht. Insofern hat die fortschreitenden Digitalisierung – wie in diesem Beispiel der Kommunikation – einen Effekt auf das Wertegerüst, in dem die Menschen arbeiten. Sie rücken im Umgangston näher zusammen. Er wird schneller, direkter, persönlicher. Indem man informelle digitale Kanäle öffnet, lässt man Formalia hinter sich, was zu besserem, persönlicherem Verständnis für das Gegenüber führen – die Kommunikation wird nicht nur technisch, sondern auch menschlich effizienter.

    Kaum eine andere Industrie, kaum ein anderer Unternehmensbereich kann mit seiner Arbeit diese Wirkweisen erreichen. Der Weg des digitalen Wandels hin zur digitalen Reife ist gepflastert von solchen Chancen, die Effizienz, die Kultur und die Denkweisen eines Unternehmens tiefgreifend zu verändern. Die Herausforderung liegt nun darin, diese frühzeitig zu erkennen und das Potential zu heben.

    Fazit

    Wir arbeiten in einer der spannendsten Branchen überhaupt, denn wir stehen vor der ständigen Herausforderung, selbst eine Disruption erleben zu können – und sind uns dessen bewusster als viele andere. Denn der anderen Seite ist es unsere Aufgabe, unsere Kunden durch digitale Lösungen bei der Disruption ihrer jeweiligen Branchen zu unterstützen. Digitale Reife ist dabei der Idealzustand, den wir stets gemeinsam zu erreichen versuchen.

    Schlagen wir den Bogen zurück zur Ausgangsthese und fassen zusammen: Digitale Reife ist nicht der einzige, aber ein Gradmesser unter mehreren und gleichzeitig ein Vehikel, das Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens unterstützen kann.

    Wir im EWERK haben über die Jahrzehnte gelernt: Digitalisierung ist nicht nur die reine Optimierung von Prozessen durch IT – sondern eine stete intellektuelle und unternehmerische Herausforderung, wie man es insgesamt besser machen muss, und wie man alle Aspekte eines Unternehmens optimieren kann. Diese Herausforderung täglich auf Neue anzunehmen, das ist der eigentliche Kern von Zukunftsfähigkeit.

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