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    Regulierung als Chance: So treiben Energieversorger erfolgreich ihre Digitalisierung voran

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    Marktregulierung, KRITIS, Energiewende – die Energiebranche ächzt unter umfangreichen regulatorischen Vorgaben. Diese können sich aber auch als segensreich erweisen, und das für alle Beteiligten. Denn die Herausforderungen der Branche erzwingen innovative Lösungen, sodass die digitale Transformation quasi im Zeitraffer ablaufen könnte.

     

    Trotz GDEW: Status ausbaufähig!

    Herr M. traut seinen Augen kaum, als er vor ein paar Wochen die Haustür öffnet und ihm ein Mitarbeiter des örtlichen Netzbetreibers seinen Ausweis unter die Nase hält. Stromablesen. Ernsthaft? Seit dem Corona-Lockdown lässt sich der rüstige Rentner selbst seine Lebensmittel vor der Tür abstellen. Und jetzt schicken die jemanden, der ins Haus kommen will, um seinen Zähler zu sehen?! Das fühlt sich für den Siebzigjährigen wie ein Rückschritt an. Hinkt die Branche der gesellschaftlichen Digital-Entwicklung hinterher? Hat Corona sichtbar gemacht, was mancher ahnte, nämlich, dass an vielen kleinen und mittleren Stadtwerken und kommunalen Versorgern in Deutschland die digitale Transformation bisher spurlos vorbeirauscht? Und dies, obwohl schon 2016 das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW) verabschiedet wurde, um die digitale Transformation von Energieversorgern zu beschleunigen?

    Ehrgeizige Erwartungen der Branche

    Andere KRITIS-Branchen scheinen da bereits besser aufgestellt, etwa der Netzsektor Telekommunikation. Hier bieten alte wie neue Marktakteure über das konvergierte Netz innovative Dienste vom Gigabit-Internet bis zu Smart-Home-Lösungen für die digitale Gesellschaft an. Klar gilt die Telekommunikationsbranche als Enabler für andere Branchen. Aber auch der Energiesektor hat hohe Ansprüche. Sein Bundesverband BDEW forderte im September 2021 in seinem Strategiepapier zur digitalen Transformation (PDF) für die nächste Legislaturperiode in Bezug auf die Regulierung, die Energiewirtschaft zu einem „Leitsektor für die Anwendung von digitalen Technologien“ zu machen und als „Leuchtturm für AI made in Germany/Europe“ zu nutzen.

    Dann mal kräftig in die Hände gespuckt! Die Weichen sind gestellt: Die Endverbraucher sind durch das steigende Angebot an Smart-Home-Lösungen mental vorbereitet, die IT-Branche drängt mit fertigen Lösungen auf den Markt und viele kleine innovative Start-ups befeuern den Wettbewerb. Und die Energieunternehmen sind durch GPKE, WiM, MaBiS, MaKo 2020 & Co. ohnehin gezwungen, ihre Prozesse zu standardisieren und weitgehend zu digitalisieren.

    Pessimismus in Sachen digitaler Kompetenz

    Zwar verzögert sich die flächendeckende Einführung von intelligenten Messsystemen aus verschiedenen Gründen – etwa wegen hoher Kosten, fehlenden baulichen Voraussetzungen, Sicherheitsbedenken und nicht zuletzt aufgrund von bestehenden Rechtsunsicherheiten in Bezug auf zertifizierbare Geräte auf dem Markt. Aber die digitale Zögerlichkeit der EVUs hat tiefer liegende Gründe. Die digitale Transformation betrifft ja nicht nur die Prozesse, sondern alle Aspekte eines Unternehmens bis hin zur Unternehmenskultur. Und da zeigt sich, dass der digitale Pessimismus in der Branche tief verankert ist.

    Traditionell sind Stromversorger vorsichtiger aufgestellt und agieren dementsprechend defensiv. Neue Methoden, Abläufe und Standards haben es oft schwer, ebenso wie neue Technologien. Und anders als bei den klassischen Telekommunikationsanbietern ist die Wahrnehmung der EVU als Behörde häufig noch sehr lebendig. Das zieht in Zeiten des Fachkräftemangels die digitalen Talente nicht gerade in Massen an (außer vielleicht, man ist einer der vier Großen). Eine Umfrage des BDEW (PDF) ergab, dass fast 80 % der EVU mit der Verbreitung von digitalisierungsrelevanten Kompetenzen im Unternehmen „nicht sehr zufrieden“ sind. Das wirkt sich auch auf den digitalen Umsatz aus: 2019 lag bei mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen (53 %) der Umsatzbeitrag digitaler Produkte oder Dienstleistungen gerade mal bei 1 Prozent. Gibt es angesichts dieser Zahlen noch Hoffnung, Frau Doktor?

    Regulierung fördert Innovation!

    Überraschenderweise ja. Und die Bundesnetzagentur und ihre ungeliebten Regularien spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Denn so unwahrscheinlich es klingt: Regulierung kann Innovation befördern.

    Beispiele gefällig? Der Politik ebenso wie der Wirtschaft ist klar, dass die Energiewende nur durch mehr Digitalisierung gelingen kann. Folgerichtig soll das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ dafür sorgen, dass die für smarte Technologien und Anwendungen erforderlichen Daten erfasst werden können. In ihren Grundsatzpapieren von 2017 und 2018 zu Herausforderungen der digitalen Transformation in den Netzsektoren sieht die Bundesnetzagentur daher einen hohen regulatorischen Handlungsbedarf – aber eben nicht nur beim Datenschutz, sondern auch in Bezug auf den Zugang zu Daten und ihrer Nutzung, also die Ermöglichung neuer, datenbasierter Geschäftsmodelle. Die BNetzA will nicht nur einen sicheren, gerechten, dezentralen Strommarkt, sondern auch geeignete regulatorische Rahmenbedingungen für effiziente Lösungen und die Erschließung ökonomischer Mehrwerte von Daten.

    Auch die regulatorisch vorgeschriebene Standardisierung und Digitalisierung der Geschäftsprozesse für die Marktkommunikation fördert Innovation. Denn sie erlaubt effizientere, automatisierte Abläufe, eine bessere und beschleunigte Zusammenarbeit zwischen Marktteilnehmern – und einen leichteren Markteintritt. Schon jetzt drängen immer mehr Akteure auf den Markt, um wettbewerbsfähige Produkte fürs Smart Home anzubieten – vom intelligenten Energiemanagement bis hin zur E-Auto-Integration. Die BNetzA sieht hier auch einen Trend zur Etablierung neuer sektorübergreifender Geschäftsmodelle (zum Beispiel Leistungsbündelung in Quartierlösungen).

    Marktkommunikation automatisieren und beschleunigen

    Dank zunehmender Vernetzung, intelligenter Messinstrumente und standardisierter Datenformate (EDIFACT, XML) können viele interne und unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse rund um Lieferantenwechsel, Lieferbeginn, An- und Abmeldungen von Messstellen, Rechnungsstellungen oder Kündigungen automatisiert ablaufen, also fast oder ganz ohne menschliches Zutun. Das eröffnet gewaltige Potenziale für Effizienzgewinne und mehr Wettbewerbsfähigkeit.

    Aber bergen automatisierte Prozesse ohne prüfendes menschliches Auge nicht das Risiko von Fehlern? Bei Transaktionen mit hohem Sicherheitsbedarf bietet sich genau dafür eine von Krypto-Währungen wie Bitcoin bekannte Technologie an: die Blockchain. Ihre Anwendungsmöglichkeiten als dezentrales Buchungssystem gehen weit über Finanztransaktionen hinaus. Nahezu jeder (Geschäfts-)Prozess könnte auch mithilfe einer Blockchain, in Form sogenannter Smart Contracts, abgebildet werden. Der Vorteil: Transaktionen werden dabei ohne vermittelnde Instanz direkt zwischen den Akteuren durchgeführt. Vor allem bei der Vernetzung vieler Akteure und Geräte könnten damit in Echtzeit automatisierte Transaktionen ausgeführt, manipulationssicher dokumentiert und auch ausgewertet werden. Im Energiesektor wird die Blockchain-Technologie derzeit vor allem im Rahmen von Pilotprojekten erprobt, z. B. im Bereich der E-Mobilität die Abrechnung von Ladevorgängen an privaten Ladesäulen oder im Peer-to-Peer-Stromhandel.

    Big Data und der Computer der Zukunft

    Ein weiteres Stichwort: Big Data. Die ITler von EVUs werden sich richtig etwas einfallen lassen müssen, um künftig die Masse an operativen Daten zu bewältigen, z. B. Messwerten. Das ist aber nicht nur eine Herausforderung, sondern bietet ebenfalls viele neue Möglichkeiten: präzise Analysen und Prognosen des Verbrauchs, ein hochdynamischer Lastausgleich und vieles mehr. Gerade in Verbindung mit KI lässt sich so Versorgungssicherheit und Netzeffizienz steigern.

    Neben leistungsstarken Datenbank- und Analyse-Tools wird dafür natürlich jede Menge Rechenleistung benötigt. Wenn nun die Netze immer komplexer werden und bald auch Tausende Batterien von Elektroautos als Pufferspeicher nutzen wollen, droht das so manches Rechenzentrum zu überfordern. Eine völlig neue Art Rechner könnte diese Leistung aber bringen: der Quantencomputer. Zwar startet Deutschland auf diesem Gebiet gerade erst durch, aber auch die Energiebranche ist von Anfang an dabei: Ein großer Energieversorger hat jetzt ein Patent für dynamisches Lastmanagement und andere sehr komplexe Aufgabenstellungen mit Quantentechnologie beantragt.

    Fazit

    Die Herausforderungen der Energiewende treiben notgedrungen technologische Entwicklungen voran und beflügeln auch die digitale Transformation. Die BNetzA hat das erkannt und schafft mittels Regulierung förderliche Rahmenbedingungen. Das alles ermöglicht langfristig die Entwicklung innovativerer Produkte, Geschäftsmodelle und Dienstleistungen und verschafft denjenigen Marktteilnehmern, die auf diesem Gebiet erfolgreicher unterwegs sind, entscheidende Wettbewerbsvorteile im Kampf um den Kunden. Vielleicht bekommt auch Herr M. so am Ende sogar einen besseren Service, als er erwartet hat?

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