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    Gamification: Das Leben ist ein Spiel …?

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    Mit der Digitalisierung lassen sich plötzlich viel mehr Aktivitäten messen und vergleichen. Für viele ein Anreiz zur Motivation – doch wo liegen die Grenzen?

    Vor einigen Jahren schoss ich mit einem Google Nexus in Barcelona eine Fotosphäre aus vielen kleineren Einzelbildern. Ich überlegte nicht lange und lud sie auf Google Maps hoch. Einige Tage später bekam ich die Nutzerzahlen, und ach Du Heiland: Das Foto fand viele Nutzer. Sehr viele: Heute hat das Bild über eine Million Views.

    Seitdem bin ich Google Local Guide. Ich sammele Punkte für Empfehlungen und Bewertungen, bekomme Belohnungen für hochgeladene Fotos – und ich muss zugeben, es macht mit eine Menge Freude. Die Level, die Punkte, die Sternchen: Das System appelliert an den Streber in mir.

    Ginge das nicht auch mit anderen alltäglichen Aufgaben – vor allem in meinem Job als Projektmanager?

    Eigentlich gibt es das ja schon: die unterschiedlichen Bonussysteme von Zielvereinbarung bis zur variablen Vergütung, die eine Graderfüllung der jährlichen Arbeit zeigen. Allerdings kranken sie an der Tatsache, dass sie kaum Zwischenschritte zeigen. Ziele werden definiert und ein Jahr später auf Überprüfung hervorgekramt.

    Nein, echte Gamification im Job sollte anders aussehen: nämlich kleinteiliger und transparenter. Da ist meiner Ansicht nach noch großes Potential zu heben. Denn in Zeiten digitalisierter Prozesse, Tickets und Zeiterfassung sind die Daten bereits vorhanden, um den Spieltrieb aus uns Mitarbeitern herauszukitzeln.

    Schauen wir einmal auf das goldene Dreieck des Projektmanagements: Time, Scope und Budget. Tatsächlich lassen sich Zeit und Geld sehr leicht messen und vergleichen. Auf den Scope – also den Lieferumfang – trifft das eigentlich auch zu, schließlich sollten Leistungen und Lastenheft klar definiert sein. Also: Feuer frei und den Wettbewerb ankurbeln?

    Oder Beispiel Fortbildung und Expertise: Ein Java-Entwickler, der sich nach und nach in die Tiefen und Tücken der Programmiersprache hineinfuchst – auch das kann durch ein Punktesystem messbar gemacht werden. Freeletics macht das ganz ähnlich und erfolgreich, und macht vergleichbar, wie erfahren jemand in einer Sache ist.

    Gamification hat allerdings auch seine Grenzen.

    Erstens: Soft Skills – also Charaktereigenschaften und soziales Verhalten – sind schwierig zu quantifizieren. Übergeordnete Prüfinstanzen, die es hier zur Bewertung braucht, machen die Sache noch kniffliger. Denn gerade wenn nur eine Person auswertet, ist immer ein subjektiver Einschlag dabei – daran kranken oft auch die bisherigen Boni.

    Zweitens: Auch Qualität der Arbeit – also der genauere Blick eine Ebene tiefer – spielt eine Rolle. Es ist niemandem geholfen, wenn die Lieferung zwar on time, on budget & on scope ist, das Ergebnis aber vor Fehlern strotzt – etwa eine IT-Lösung voller Bugs. Deswegen braucht es auch Zielsetzungen in Sachen Fehler, Issues und Lücken pro Feature oder auch Effizienz und Länge des Codes.

    Der Arbeitsalltag ist eben komplexer als ein Spiel und lässt sich oftmals nicht nur in Zahlen ausdrücken.

    So ist es übrigens auch im Leben. So sehr ich die Google-Gamification liebe: Schon heute sehen wir Grenzen in anderen Lebensbereichen, in denen der Versuch scheitert.

    Und zwar ganz konkret bei den Fitness-Trackern.

    Ich weiß, es geht vielen Menschen anders und ich provoziere nebenbei hunderttausende hippe Nutzer mit dieser Meinung. Aber: Es ist noch ein Gerät mehr, an das man denken muss. Da ich ein Freund konsistenter Datensätze bin, will ich keine Brüche. Vergesse ich aber die Uhr oder die Aktivierung einer Funktion der Uhr, fehlen sofort Daten in meinem Verlauf. Ein Armageddon für einen Daten-Nerd wie mich!

    Hier schließe ich den Bogen zum Arbeitsalltag: Bei jeder Datenerfassung, bei jedem Messpunkt stellt sich die Frage, wofür sie zunutze ist. Was will man erreichen? Messen um des Messens Willen motiviert nicht, sondern führt zum unendlichen Datenwust. Runtastic zeigt mir meine Geschwindigkeit über den Lauf hinweg an. Doch das ist nur Spielerei: Denn was soll mir das für meinen nächsten Lauf bringen?

    Dasselbe gilt für die Erfassung im Job: Was sind sinnvolle Daten, die wirklich für Motivation sorgen? Gamification steht also immer im Kontrast zu fälschlicher Daten-Sammelwut. Repetitive Aufgaben interessanter machen und Vergleichbarkeit schaffen – gerne. Aber dafür braucht es klare Konzepte, welche Daten wirklich relevant sind. Ein Hinweis: Aus Business-Prozessen lassen sich hierfür wunderbare Schlüsse ziehen.

    Oder anders gesagt: Die Regeln des Spiels müssen logisch sein. Sonst macht es dem Spieler keine Freude.

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