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    Kein dummes Geld: Was Einhörner wirklich brauchen

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    Alle sind auf der Jagd nach dem nächsten großen Ding, um es mit Geld zu bewerfen. Doch gute Ideen brauchen mehr, um erwachsen zu werden: nämlich Prozesse und Infrastruktur.

     

    Ich kenne mittlerweile so viele Hubs. Schicke Dinger sind das. Man kann sich mit einer Idee einmieten, die kreative Luft vor Ort einsaugen, Förderungen abgreifen und sich mit anderen Gleichgesinnten vernetzen. Klasse, denn auf diese Weise bekommen junge, frische Projekte genau den Freiraum, den sie benötigen, um sich zu entwickeln und zu wachsen …

    Halt mal: Ist das wirklich so?

    Schauen wir uns einmal genauer an, was Start-ups ausmacht, wo ihre Stärken liegen – und wo ihre typischen Schwächen. Die meisten haben eine disruptive Idee im Gepäck und wollen reife Märkte auf den Kopf stellen. Querdenken gehört zu ihren Kerndisziplinen. Meistens handelt es sich um junge Gründer mit vergleichsweise wenig Erfahrung in Leitung, Projektmanagement, Business Development: Ihre Stärke ist ihr Innovationsgeist.

    Geld ist für sie imminent wichtig, denn ohne finanzielle Ressourcen haben sie nicht den Freiraum, ihre Ideen zu finden, zu verfolgen und zu festigen. Doch Geld ist nicht alles, und Geld ist nicht das Problem. Dummes Geld liegt überall. Langfristig kann es sogar von Nachteil sein, denn es macht träge. Was den lateralen Denkern mit ihren frischen Ideen oftmals fehlt, ist: Struktur.

    Im Inkubator wirst Du nie erwachsen

    Es ist genau andersherum: Dem hippen Umfeld der Ideenschmieden fehlt es an Prozesswissen. Hinzu kommt: Klar bieten sie eine gewisse Infrastruktur – nämlich für die tägliche Arbeit, Wifi, Kaffee und Netzwerke. Aber geht es an die Markteinführung von neuen, revolutionären Schlüsseltechnologien im großen Stil, sind die Hubs schnell überfordert. Schließlich haben sie keine Serverfarmen zu bieten oder strategische Erfahrungen für ein Roll-Out.

    Die Kindersterblichkeit von Einhörnern verringern

    Kein Wunder, dass so viele Einhörner schon im frühen Stadium scheitern. Ihre Ideen sind oft top, aber Geld mit der Gießkanne kann nicht die Lösung sein. Der Weg zur Bank ist eine Einbahnstraße, denn die Bank ist außer als Quell der monetären Mittel keine Unterstützung.

    Es geht darum, Technologiepartnerschaften neu zu denken. Etablierte Unternehmen mit hohem Reifegrad müssen zu Providern werden. Sie werden zur Andock-Station für all die krassen, frechen, frischen Ideen, die beinahe reif für den Markt sind, aber nicht durch die Tür kommen.

    Zumal gleichen sich viele Gründer – und das nicht nur im positiven Sinne. Der gute Gründer ist nicht nur davon überzeugt, dass er ultimative Lösung für ein weltbewegendes Problem hat. Er ist auch ordentlich borniert. Umso wichtiger ist es deswegen, auch die Risiken zu sichten, gesunden Zweifel an den Tisch bringen und in der Due Dilligence eine ehrlich Starken-Schwächen-Chancen-Gefahren-Analyse zu erarbeiten, die nicht durch die rosarote Brille guckt. Das ist nicht schön, aber hilft. Denn ein seriöser Lösungsdesign-Workshop – oder auch nur ein einziger guter Rat – kann in der Anfangsphase die Weichen in die richtige Richtung stellen.

    Governance und Prozesslandschaften, Struktur und Infrastruktur, Zertifizierungen und Business Development: Das sind die Währungen der zukünftigen Einhörner. Wenn sich diese Erkenntnis durchsetzt, werden wir in Deutschland zum Nachfolger des Silicon Valley.

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